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Behandlung von chronischen Schmerzen

Bei der Behandlung von chronischen Schmerzen durchlaufen Schmerzspezialisten häufig eine Reihe von Behandlungsstufen. Das bedeutet, dass die Behandlung oft mit einfachen und kostengünstigen Therapieansätzen beginnt, beispielsweise Bettruhe, oraler Schmerzmedikation und physikalischer Therapie. Darauf folgen verschiedene Therapien wie Opiate, Nervenblocker oder SCS-Chirurgie, bis eine ausreichende Schmerzlinderung erzielt wird.

 

 

Das Behandlungskontinuum für chronischen Schmerz umfasst drei Ebenen.

 

 

Therapiestufen

Nach einer sorgfältigen Diagnostik können Patient und Arzt über die beste Therapie für die Schmerzen entscheiden. Es handelt sich dabei um allgemeine Richtlinien, die je nach Ihrem Zustand, dem Ansprechen auf vorherige Behandlungen und den Empfehlungen des Schmerzspezialisten variieren können.

 

Der erste Schritt im Behandlungskontinuum für chronischen Schmerz ist häufig eine konservative Behandlung, auf die aggressivere Ansätze folgen.

 

 


 

Therapien der ersten Stufe

  • Trainingsprogramme: Ein erster Behandlungsansatz für chronischen Schmerz kann leichte körperliche Betätigung sein, beispielsweise Walking. Das Training stimuliert die Freisetzung der natürlichen Schmerzlinderer des Körpers, die als Endorphine bezeichnet werden. Es fördert die Flexibilität, Kraft und Ausdauer und trägt zur Verringerung von Stress bei. Körperliches Training kann auch nicht genutzte oder müde Muskeln stärken, damit sie die Arbeit überlasteter Muskeln übernehmen können, die Schmerzen verursachen.

 

  • Frei verkäufliche Schmerzmittel: Eine andere frühe Therapie von Schmerz sind frei verkäufliche Analgetika (wie Aspirin oder Acetaminophen) oder entzündungshemmende Wirkstoffe (wie Ibuprofen) in Verbindung mit Bettruhe.

 

  • Nichtsteroidale entzündungshemmende Arzneien: Wenn frei verkäufliche Medikamente keine adäquate Linderung bringen, verschreibt der Arzt möglicherweise eine nichtsteroidale entzündungshemmende Arznei. Nichtsteroidale entzündungshemmende Arzneien können den Schmerz in den ersten 24 bis 48 Stunden der Behandlung lindern. Es kann jedoch bis zu drei Wochen dauern, bis sie ihre volle Wirkung entfalten, die eine Linderung von Schmerzen, Schwellungen und Entzündungen umfassen kann.

 

  • Rehabilitative Therapie: Die rehabilitative Therapie umfasst eine Reihe von Techniken – physikalische Therapie, Ergotherapie, Massagen, chiropraktische Therapie und die Umschulung für physische Aktivitäten – zur Reduzierung von Schmerzen und funktionalen Optimierung. Therapeuten können Dehnungsübungen, Wärme- oder Kältetherapien, Wassertherapie, Muskelentspannungstechniken, Biofeedback, Traktion oder Gewichtstraining und die allgemeine Konditionierung einsetzen. Die rehabilitative Therapie ist ein wichtiger Bestandteil der frühen Schmerzbehandlung und wird häufig mit anderen Therapien wie der oralen Medikation kombiniert.

 

  • Transkutane elektrische Stimulation (TENS): Bei der TENS-Therapie werden elektrische Impulse mittels Stimulationskontakten, die auf der Haut über den schmerzenden Bereichen platziert sind, auf Nervenenden angewendet. Forscher vertreten die Theorie, dass diese Impulse die Übertragung von Schmerzsignalen von kleinen Sinnesnerven im Schmerzbereich vorübergehend unterbrechen können. Die TENS kann auch die Freisetzung von Endorphinen stimulieren, die Analgetika und ein Gefühl von Wohlbefinden produzieren.

 

  • Kognitive und Verhaltensänderungen: Chronischer Schmerz ist eine schwere psychologische Belastung. Wie Betroffene damit umgehen und die Schmerzen ertragen, hängt von Faktoren wie der Persönlichkeit, Kultur und Schmerzerfahrungen in der Vergangenheit ab. Kognitive und Verhaltenstherapien berücksichtigen diese Faktoren, um Patienten zu helfen, neue Fertigkeiten und Strategien für den Umgang mit chronischem Schmerz zu erlernen. Diese Fertigkeiten und Strategien können Entspannungstechniken, Sehtraining und beratende Einzelgespräche mit dem Patienten und seiner Familie umfassen.

 

 


 

Therapien der zweiten Stufe

Der zweite Schritt bei der Behandlung von chronischem Schmerz besteht häufig aus invasiveren und kostenintensiveren Verfahren und Therapien.

 

  • Nervenblocker: Bei Nervenblockern werden ein lokales Anästhetikum und/oder Steroide direkt auf den Nerv angewendet, der den Schmerz verursacht. Nervenblocker sorgen in der Regel für eine vorübergehende Schmerzlinderung aufgrund ihrer betäubenden (anästhetischen) Wirkung. Sie können auch dazu beitragen, Gewebeschwellungen im Bereich des Nervs zu verringern, die den Nerven irritieren und Schmerzen verursachen können.

 

  • Systemische Opiate: Als Opiate bezeichnete hochwirksame Schmerzmittel werden häufig verschrieben, wenn schwere chronische Schmerzen nicht auf Therapien der ersten Stufe ansprechen und eine Operation nicht in Frage kommt oder keinen Erfolg gebracht hat. Mit Opiaten können die meisten starken Schmerzen wirksam gelindert werden. Allerdings treten häufig Nebenwirkungen auf, die von Benommenheit und Verstopfung bis zu einem erhöhten Abhängigkeitsrisiko reichen – insbesondere, wenn Opiate in Pillenform oder über Hautpflaster verabreicht werden.

 

  • Neurolyse: Bei der Neurolyse wird mit einer chemischen Substanz Nervengewebe zerstört, um die Funktion eines Nervs zu unterbinden. Die Substanz (in der Regel Alkohol oder Phenol) wird um den spezifischen Rückenmarksnerv herum injiziert, der den schmerzenden Bereich versorgt oder aktiviert. Das Ziel der Neurolyse ist es, die Übertragung von Schmerzsignalen an das Gehirn durch den Nerv zu unterbinden. Dieses Verfahren ermöglicht in der Regel eine wirksame Schmerzlinderung über Wochen oder Monate.

 

  • Thermische Verfahren: Thermische Verfahren wie die Kryoanalgesie und Hochfrequenz (HF)-Läsionierung unterbinden die Übertragung von Schmerzsignalen über einen Nerv mithilfe von Temperatur. Bei der Kryoanalgesie wird der Nerv extremer Kälte ausgesetzt. Das Ausmaß der Schädigung des Nervs hängt davon ab, wie lange und mit welcher Intensität der Nerv der Kälte ausgesetzt wird. Die Schädigung kann minimal sein, mit lediglich einem Verlust der sensorischen Funktion über mehrere Wochen, oder vollständig mit vollständigem Verlust der sensorischen Funktion und möglicher motorischer Beeinträchtigung. Die Kryoanalgesie wird häufig für chronische Schmerzen in der Brustwand, im Gesicht und andere Neuralgien verwendet.

 

 


 

Therapien der dritten Stufe

Die Linderung von hartnäckigen Schmerzen erfordert Zeit und Geduld, und natürlich einige Versuche. Bestimmte chronische Schmerzzustände können sehr resistent gegen Schmerztherapien der ersten oder zweiten Stufe sein. Wenn dies der Fall ist, kann der Arzt fortgeschrittenere Therapien in Erwägung ziehen, um den Schmerz zu lindern.

 

  • Chirurgie: Chirurgische Eingriffe können erfolgen, um anatomische Defekte oder Defekte infolge einer Krankheit oder Verletzung zu beheben oder zu korrigieren. Auch Nerven können operativ behandelt werden, um die Übertragung von Schmerzsignalen zu unterbrechen.
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  • Rückenmarkstimulation: Die Rückenmarkstimulation (SCS) wird verwendet, um bestimmte Arten von chronischem neuropathischen Schmerz im Körper (Rumpf) und/oder in Armen und Beiden (Gliedmaßen) zu behandeln. Die Rückenmarkstimulation verwendet elektrische Impulse geringer Intensität, um Schmerzsignale abzuschwächen oder zu blockieren, bevor sie das Gehirn erreichen. Bei dieser Therapie wird der Schmerz in den betroffenen Bereichen durch eine angenehmere Empfindung ersetzt. Die Rückenmarkstimulation ist Teil einer größeren Kategorie von Therapien, die als Neurostimulation bezeichnet wird.

 

  • Implantierbare Medikamentenpumpen: Für bestimmte Arten von Schmerz, einschließlich von persistentem nozizeptiven Schmerz und durch Krebs bedingte Schmerzen, kann eine implantierbare Medikamentenpumpe (auch als Schmerzpumpe oder intrathekale Medikamentenpumpe bezeichnet) eine adäquate Therapie sein. Schmerzpumpen geben den Schmerz direkt an die Liquor (Hirn-Rückenmark-Flüssigkeit) in dem Raum (Intrathekalraum) ab, der das Rückenmark umgibt. Dieser direkte Ansatz ermöglicht die Anwendung starker Schmerzmittel wie Opiate in sehr viel geringeren Dosen als bei Pillen oder Hautpflastern, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit von unerwünschten Nebenwirkungen verringert.

 

  • Neuroablation: Die Neuroablation ist eine chirurgische Technik, die Nervenwege zum Gehirn permanent blockiert, indem die Nerven und das Gewebe, die den chronischen Schmerz verursachen, zerstört werden. Es werden verschiedene Verfahren eingesetzt. Die Cordotomie ist die chirurgische Durchtrennung (Division) eines Rückenmarkstrangs. Die Rhizotomie umfasst die selektive Zerstörung eines Nervs nahe am Rückenmark. Die Thalamotomie und Pallidotomie verwendet Hochfrequenzenergie, um spezifische Zellen tief im Gehirn zu zerstören. Zusätzlich zum Risiko, ungeplante motorische oder sensorische Funktionsstörungen in anderen als den betroffenen Bereichen zu verursachen, sind neuroablative Verfahren gelegentlich nur vorübergehend erfolgreich, da der Schmerz in benachbarten oder anderen Nervenbahnen erneut auftreten kann.